Wer bin ich? Tja … schwierige Frage …

- Schau doch in den Spiegel, dann weißt du es.

Ich habe keinen Spiegel.

- Dann geh doch zum stillen Gewässer hinter den drei Bergen, und
schau dich dort an.

Ich bin das stille Gewässer. Steine ziehen große Kreise in mir. Aber wer spiegelt mich?

- Frag doch deine Ehefrau, die weiß es besser.

Ich habe keine Ehefrau.

- Dann … ach, mach es nicht so kompliziert. Natürlich kenn ich mich auch nicht so genau, aber … das macht doch nichts.

Ich dachte, du wolltest wissen, wer ich bin. Und ich wollte dir gerne eine Antwort geben, aber ich habe keine, nicht wirklich.

- Hm, okay. Ich stelle dir genauere Fragen, okay?

Ja, gute Idee.

- Du bist also eine sehr genaue Person?

Das sagst du. Wer kann mir das letztendlich sagen? Und was bedeutet „genau“ eigentlich?

- Was du tust, versuchst du korrekt und bis ins letzte Detail richtig zu machen.

Stimmt.

- Haah, endlich mal eine Antwort. Sag mal, stellst du gerne Fragen? Oder machst du das, um mich zu ärgern?

Oh, ärgern wollte ich dich nicht, es ist nur, es ist mein Charakter. Ich forsche und suche und frage und hinterfrage. Und weil mir dieses suchen nach Wahrheit wichtig ist, ist das auch die Art und Weise, wie rede – weil ich so denke. In jeder Situation versuche ich größere Wahrheiten zu entdecken.

- Wie? Wenn du eine Blume am Straßenrand siehst, was entdeckst du daran ?!

Erstmal staune ich, dass sie die vielen Abgase überlebt hat. Und dann staune ich, wie schön sie ist, und was Schönheit eigentlich ist. Und dann denke ich irgendwann darüber nach, wie unglaublich groß und unglaublich klein das alles ist: von DNS bis Universum.

- Ja, aber, warum staunst du darüber, das ist doch normal! Das ist die Welt, in der du aufgewachsen bist.

Nein, nicht alles was ich sehe, ist normal. Ich sehe viele, die sich die Köpfe einschlagen beim Streiten, und trotzdem ist es nicht normal. Ich sehe viele, die lügen, um möglichst viel vom Staat zu bekommen, und trotzdem ist das nicht normal.

- Was ist dann also normal?

Ich weiß nicht. Das, wofür es ursprünglich gedacht war. Letztendlich kann ich nur sagen: normal ist das, was Gott als normal definiert.

- Wieso bringst du da plötzlich Gott ins Spiel?

Weil Gott der einzige objektive Maßstab ist, den ich kenne. Er sagt, „Ich bin die Wahrheit.“ und ich glaube ihm das.

- Aber du erwartest nicht, dass wir das auch glauben, oder?

Hm. Ich fordere es nicht von euch, nein. Ich wünsche es euch, ja.

- Warum? Das ist doch eh nur ein Hirngespinst, eine Idee, eine Weltanschauung.

Nein. Das ist eine Person. Ich liebe ihn, Jesus, und darum glaube ich ihm.

- Du liebst eine Idee? Du bist verrückt.

Versuche doch mal, von meinen Denkvorraussetzungen auszugehen. Wenn es eine Person ist, und wenn es die einzig objektive Wahrheit ist, dann macht es Sinn, ihn zu lieben und die Wahrheit zu lieben.

- Hm. … Also, du bist Christ. Gehst du denn auch in die Kirche?

Wow, ich staune. Diese Frage ist berechtigt: Christ-Sein und in-die-Kirche-gehen sind nicht dasselbe, äquivalent. Du kannst in die Kirche gehen, ohne Christ zu sein, oder Christ sein, aber nicht in die Kirche gehen.
Ja, ich gehe gerne in die Kirche.

- Und in welche Kirche? Katholisch oder Evangelisch?

Hast du schon mal etwas von den „Freikirchen“ gehört? (Anmerkung für die Franzosen: in Frankreich heist das „églises protestantes“ – das deutsche „evangelisch“ heißt im normal-umgangssprachlichen Gebrauch „luthérien“.)
Sie heißen Freikirchen, weil sie wesentlich „freier“ in der Form sind, d.h. mehr Chaos/Unordnung zulassen. Ich meine … hm. Es ist schwierig zu erklären, schau dir einmal einen Gottesdienst dann, dann verstehst du, was ich meine. Übrigens gehe ich auch manchmal in evangelische oder katholische Kirche und genieße auch dort Gott.

- … du genießt Gott?

Ich liebe meinen Geliebten, ja. Natürlich genieße ich Gott, er hat das Leben geschaffen, er gibt Leben, er ist mein Leben.

- Entschuldigung, du redest in einer Sprache, die ich nicht verstehe.

Oh, entschuldigung. Ja, deswegen schreibe ich gerne Geschichten, um diese Dinge zu verbildlichen. Auf meinem Blog sind viele solche Wahrheit-Geschichten.

- Bist du ein Schriftsteller?

Naja, sozusagen, ja. Ein Amateur-Schriftsteller. Ich schreibe seit 5 Jahren. Mit ganzem Herzen.

- Und sonst, was machst du noch gerne?

Woran hängt mein Herz? Musik. Und zwar mehr Musik-machen als Musik-hören: Singen, Klavier spielen, Klarinette, Schlagzeug, Improvisieren, und innerlich läuft fast immer eine Melodie. Leider kann ich mir nicht viel mehr als ein Ton gleichzeitig denken, ich kann zweite Stimme nur singen, wenn ich die erste Stimme höre.

- Singst du im Chor?

Ich war einmal im Chor, ein Tag während eines FSJ-Seminars. Es war so toll! Nein, ich singe für mich. Klarinette spielen tu ich manchmal auch in den Gottesdiensten.

- Was spielst du dann da? Händel?

Kicher … nein. Ich spiele einfach bei den Liedern, die wir singen, mit. Und selten die Melodiestimme, eher die Basstöne + Rhythmus. Oder eine zweite Stimme, geterzt oder schräger. Musik darf auch ein bisschen modern, expressionistisch sein, nach meinem Geschmack – aber rede mir nicht von Metal! Das ist eine ganz andere Art von modern.

- Hm. Sag mir drei Charaktereigenschaften, die besonders gut auf dich passen.

Sanft. Das ist ungefähr das, was ich am Anfang mit stillem Wasser beschrieben habe: ich suche Ausgeglichenheit, und ich suche, die Eindrücke gut und intensiv zu verarbeiten, und dazu brauche ich innerliche Zeit. Das bedeutet manchmal, dass ich Zeit alleine brauche, und manchmal, dass ich in einer Diskussion mehr denke als rede, und dann drei Tage späte eine Antwort geben könnte.
Zweitens … Belehrsam. Formbar. Damit meine ich nicht, dass alle an mir herumkneten sollen, sondern … ich meine, ich weiß viel zu viel, was ich nicht weiß, darum suche ich Erfahrungen und Erfahrungsberichte. Und wenn mir jemand zeigt, wie es geht, dann nehme ich das rasch auf und setze es um, vor allem im Denk-Bereich weil ich dort mehr Begabung habe als im manuellen Bereich. So habe ich letztes Jahr in ein paar Monaten Buchhaltung gelernt, einfach tun und nachfragen und weiter tun. Nachdem ich eine Einführung bekommen habe, kann ich auch gut selbstständig weiter nach Wissen suchen. Nur ohne diese Einführung käme ich gar nicht auf die Idee, dass dieses Wissen interessant / sinnvoll sein könnte. Das wird schon wieder philosophisch: ich kann nichts suchen, wenn ich nicht gezeigt bekomme, dass es existiert. Ich kann nicht meinen Hausschlüssel suchen, wenn ich gar nicht weiß, wie er aussieht und wozu man ihn benutzen kann.
Drittens … Knapp. Intensiv. Also gerade bei Worten versuche ich möglichst viel Bedeutung in möglichst wenig Worte zu packen. Man könnte es auch so formulieren, ich lege hohen Wert auf Qualität: Qualität der Worte, Qualität … ich weiß auch nicht. Zum Beispiel, diese Vorstellung ist unglaublich lang geworden. Deswegen, weil: wenn ich mich vorstelle, dann gut.
Diese drei sind vielleicht nicht diejenigen, die ein gesamtes Bild von mir geben. Aber jedenfalls sind das drei Dinge, dir mir an mir auffallen.

- Also hast du doch einen Spiegel.

Ja, du hast Recht, ich habe einen Spiegel. Es ist mein Freund Gott. Übrigens: wenn Gott nicht mein Freund geworden wäre, wäre ich nicht mehr am Leben.

- Wieso das?

Weil ich sonst an der Frage nach dem Sinn gescheitert wäre. Als ich 14 Jahre alt war, wurde ich depressiv deswegen, und diese Depression hätte wohl in den Selbstmord geführt, wenn nicht … wenn nicht Gott mir eine total neue Motivation gegeben hätte. Endlich wusste ich, wozu ich lebe.

- Ach echt?

Geliebt zu werden, und zu lieben. Und das als Allererstes gegenüber Gott: er bringt mir bei, was Liebe ist, indem er mich liebt. Aber total.

- Hm. Und woran merkst du das?

Die Kunst des Antwortens ist auch die Kunst des Fragens. (Sagen zumindest die Rabbiner.) Woran merkst du, dass dich jemand liebt? Weil du dieses kribellige Gefühl im Bauch hast? Nein. Wer dich wirklich liebt, weint mit dir, wenn du weinst, und lacht mit dir, wenn du lachst. Wer dich wirklich liebt, schreit dich nicht zusammen, wegen dem Glas dass du gerade herunterfallen hast lassen. Wer dich wirklich liebt, zieht dich zur Seite und fragt dich vorsichtig, wenn du etwas tust, wovon er denkt, dass es kurzsichtig ist, dass es langfristig Schade in dir anrichtet. Wer dich wirklich liebt lehrt dich laufen, wenn du noch nicht laufen kannst, und lehrt dich still sitzen, wenn es Zeit ist, das zu lernen. Ich weiß, dass Gott mich liebt, weil ich seine Veränderung spüre. Ich erlebe Gott auch in meinen Gefühlen, aber Gefühle sind zu leicht manipulierbar, darauf allein will ich mich nicht verlassen. Wenn es mir nur um schöne Gefühle gehen würde, könnte ich auch Drogen nehmen, oder? Aber es geht mir um Wahrheit und Leben. Gerechtigkeit und Hoffnung. Alles, was Gott ist. Gott ist so schön!

- … Hm. Naja. Irgendwie bist du … anders.

Lächel … oh ja, das bin ich.

- Darf ich mich trotzdem ein bisschen in deinem Blog umschauen?

Natürlich darfst du. Lies, so viel du willst, und wenn du neue Ideen hast, sag mir Bescheid.

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