Archiv der Kategorie 'Erlebt'

Freeze!

“Freuen dürfen sich alle, die im Herzen rein sind – sie werden Gott sehen.” (Matthäus 5, 8 Gute Nachricht)

Es gibt Momente, die es wert sind, eingefroren zu werden: Freeze, wie ein Photo oder Standbild. Gestern bei Ikea war ich an der Kasse, und zahlte 9,98 – nur gab die Kassierin mir nicht 2 Cent, sondern 2 Euro zurück. Als ich sie darauf hinwies, zögerte sie einen Moment. Dann sah sie mir in die Augen – Freeze!

Was sie in diesem Moment gedacht hat? Ärger über sich selbst, “oh mann, hoffentlich werd ich bald abgelöst”? Erleichterung, “das ist aber gerade noch gut gegangen”? Oder Überraschung: “Wow, es gibt tatsächlich noch Menschen, die ehrlich sind!”?

Sie sagt “Danke”, fast emotionslos, und wechselt die Münze in meiner Hand. Und schon kommt der nächste Kunde dran.

Ein reines Gewissen ist viel mehr Wert als 2 Euro.

Ein Tag ohne Strom

(english, please…)

Auf Plinky wurde gefragt: Heute bist du dran, du darfst die Regeln festlegen. Und ich dachte an manche Länder, die regelmäßig Katastrophenübungen machen, und ich dachte, warum nicht? Und ich legte fest:

Einen Tag lang keinen Strom, für alle. Na gut, Krankenhäuser und so bekommen eine Ausnahmegenehmigung.

Und ich wäre so freundlich und würde den Stromausfall so einen Monat vorher ankündigen, so dass sich alle darauf vorbereiten können. (Einen Generator kaufen zählt nicht!) Stell dir nur vor: kein Internet, keine Banken, keine Flüge, keine Kaufhäuser … keine Ampeln, keine Kameras, kein Nintendo, kein Todesrisiko wenn man auf Strommasten klettern … und Milliarden CO2 gespart! Das wäre ein kleines Experiment, vielleicht entdecken wir so Ecken und Winkel, an denen wir lächerlicherweise von Strom abhängig sind. Und wer weiß, vielleicht könnte unser gesamter Stromverbrauch dann ausnahmsweise mal sinken?

Und dann möchte ich nicht nur, dass die elektrischen Schiebetüren zu bleiben, sondern auch, dass die Haustüren aufgehen. Ich meine, was soll man zu Hause machen, nicht einmal der Ferseher geht noch! Spieleabend organisieren sich spontan; die glücklichen Gasherdbesitzer laden die Nachbarn ein, bei ihnen zu kochen; der Stapel der irgendwann-zu-lesenden Bücher wird kleiner; die ausstehende Steuererklärung wird erstellt, zur Not zieht man den Nachbarn zu Rate (anrufen kann man ja keinen); und Kinder und Hunde sind glücklich, weil sie ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen.

P.S. Dass ich als Techniker Technik skeptisch gegenüber stehe, habe ich ja schon geschrieben.

New rule: No electrical power for anybody. For one day.

(auf Deutsch)

In some countries, there are emergency exercises regularly. What if ? How would society, and each individual in it, react? So here we go:

No electrical power for anybody. For one day. Well, hospitals and the like may get an exception.

And I would be kind, I would announce the power shortage a month beforehand, so that everybody can get prepared. Getting a generator is cheating! But just imagine: no internet, no banks, no flights, no shopping malls … no traffic lights, no cameras, no Playstation, no risk of dying when climbing the high-voltage poles … and billions of tons of CO2 saved! I would see it as an experiment, to detect spots where we ridiculously rely on electricity. Who knows? It could break the trend of using more and more energy every year.

And then I don’t only want the electric sliding doors to stay closed, but I also want the front doors to open. I mean, what can you do at home, not even TV is working! Game evenings are organizing themselves spontaneously, the happy owner of gas cookers invite others to cook at their place; the pile of yet-to-read-book diminishes; the yet-to-do tax return gets done, asking the neighbour for help if necessary (telephone lines are dead, too); and dogs and children are happy to get undivided attention.


Ein Tag in Paris

(Keine dieser Photos sind von mir. Klick.)

Das

Eiffelturm
habe ich nicht gesehen,

das
La Villette

und das
Notre Dame
ebenfalls nicht.

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http://flickr.com/photos/mohsan/1634750982/

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Paris ist eine wunderschöne Stadt. Alles ist grau, nicht nur der Himmel.

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sdf Paris

Und dann haben mich noch die Bettler angetan, das gehört zum Großstadtflair dazu. (Warum eigentlich gibt es das auf dem Dorf nicht (so sehr)? Gibt es auf dem Dorf nicht genug Touristen, die sie füttern? Oder gibt es dort ausreichend verlassene Scheunen und Apfelbäume?)

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brausen

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Der TGV braust, die Métro braust, die Pariser brausen, und ich brauste mit, ein bisschen.

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Werbung Palais de la Découverte

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Und vom Palais de la découverte (so was wie das deutsche Museum, nur kleiner, und wesentlich mehr Vorführungen / Vorträge) habe ich mitgenommen:

“A mathematician is a machine for turning coffee into theorems.”

(Paul Erdös)

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Momentaufnahmen meines Lebens (Heimaturlaub)

19. November, 17:00

Der Wecker klingelt, ich verabschiede mich von den Kaffeegästen. Simones Wohnung ist schön, und auch schön klein.

Ich fahre zum Petuelring, suche die Straße, in der ich den Roller abholen soll: jemand vom Jmem-Gelände hat ein Kinderroller ersteigert, und Selbstabholung war deutlich billiger als Versand. Naja gut das hat mich ein bisschen Organisationsarbeit gekostet aber das trainiert mich ja auch, ne. (Von wegen ‘ne’ gibt’s nur in Hannover. Nur hier in Sachsen spricht man es nicht ‘neee’, sondern ‘ne’ mit umgedreht e (tiefes e).) Die Straße war einfach zu finden, die Hausnummer nicht.

Mit Roller steige ich in die Trambahn, soll ich jetzt nochmal stempeln? Wenn ich mir überlege, was wäre, wenn ich tatsächlich kontrolliert werde, wird mir übel und ich merke, dass ich es eigentlich doch nicht vor mir verantworten kann. So stemple ich nochmal. (“Rundfahrten sind nicht erlaubt.”)

Ich steige um in den Bus, und lese wieder dass ich am Rotkreuzplatz vorbeifahre. Ich habe schon ein paar Tage vorher überlegt, vielleicht Vroni zu besuchen, aber … jetzt erst erwäge ich es als Möglichkeit, es tatsächlich zu tun. Ich schaue auf die Uhr: ich könnte Rotkreuzplatz aussteigen, die 20 Minuten bis zum nächsten Bus zur MädchenWG rennen und wieder zurück, und dann komme ich genau pünktlich um 6 Uhr an der Donnersberger Brücke zur Mitfahrgelegenheit nach Dresden.

Zwei Stationen noch. Will ich das? Werde ich es tun? Trau ich mich? Komme ich dann nicht zu spät?

Rotkreuzplatz. Mein Herz schlägt höher. Die Türen gehen auf, mit Unentschlossenheit bleibe ich stehen. “Im Nachhinein werd ich es bereuen, es nicht getan zu haben.” Die Türen gehen wieder zu. Erst jetzt höre ich Gottes Stimme eindeutig: “Du darfst die Zeit auskosten.” Ich fühle mich bestätigt und breche auf, denn der Bus steht noch: er hat noch gewartet.

Schnellen Schrittes nähere ich mich der WG. Warum möchte ich das? Was ist, wenn ich gefragt werde, warum ich es mache? Die ehrliche Antwort: weiß ich nicht. Ich renne die Treppe hinauf. Ich werde vor der Tür stehen, sagen, “Ich wollte nur kurz kommen”, und dann wieder gehen.

“Komm herein” sagt Vroni, als sie die Tür aufmacht. Ich komme herein, erkläre, warum ich einen Roller dabei habe, begrüße auch Sascha, und setze mich an den Küchentisch. “Willst du was trinken?”

Ich wollte nichts drinken, und ich wollte auch nicht die Worte wiederholen, die ich unter meinen Verwandten verteilt habe (auf die Fragen: was machst du? Wie geht es dir?), und sie sagt: “Dann erzähle etwas, was du noch keinem erzählt hast.” Ich erzähle ihr vom Niederseilgarten und dass eine Situation symbolisch geworden ist dafür, dass ich lerne, Leiter zu sein. “Ich muss gehen.”

Pünktlich 5 vor 6 bin ich an der Donnersberger Brücke. Ich bin glücklich, zwei Gesichter gesehen zu haben, die ich mag.

“Du darfst die Zeit auskosten.” Ja, das habe ich angefangen zu tun. Ich weiß nun, dass dazu Arbeit genauso dazugehört wie Pause – und so mache ich intensiv Pause und intensiv Arbeit. (Allerdings verplane ich deutlich mehr als 60 % meiner Zeit, was Tiki Küstenmacher als Richtlinie angiebt.) Und immer wieder mal wage ich es, spontan zu sein. Kinder auf meinen Schoß zu nehmen, meine Familie anzurufen, oder den Gedanken auszusprechen der mir grad kommt.

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