Berge stören den Ausblick auf die Weite der Welt

Stress ist, wenn man Berge zu tun hat, davor Angst hat, und darum etwas ganz anderes macht. Blogs lesen zum Beispiel.

Das große Sterben, oder: die Rückkehr der Vögel

Es ist still über den Dächern von Paris. Die Autos plärren nicht, die Menschen schlafen noch: es ist Sonntag morgen. Heiliger Sonntag? Nein, das nicht – aber ausschlafen, das ist heilig. Wenigstens einmal die Woche. Oder zweimal. Oder öfter, wenn man Student ist.

Es ist ruhig in den Straßen. Vereinzelt: ein Auto, ein Fahrrad, ein Fußgänger, ein Pärchen, eine Gruppe Polizisten. Nur die Vögel schreien: Hallo, hier sind wir, dieser Wohnraum ist auch unser Wohnraum!

Dabei haben sie mehr Überlebenschancen als wir. Warum? Weil sie das Übermaß nicht kennen. Sie fressen Würme, ja, aber nur einen pro Tag. Sie werden gejagt, ja, von Katzen, die zu faul geworden sind, Mäuse zu jagen; zu dick, um auf Bäume zu klettern; und überhaupt so tun als wäre die Menschheit ihnen untertan; etwas, was ihnen zu essen bringt, heute, morgen, immer. Vielleicht werden sie auch von Hunden gejagt, die noch weniger die Intention haben, sie zu fressen; und selbst wenn sie einem größerem Vogel zum Opfer fallen, dann nicht alle auf einmal. Das Ökosystem ist erstaunlich selbstregulativ, selbstheilend.

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Der Wettkampf mit mir selbst

Ich fühle mich wie auf einer Wiese; jemand hat mich dorthingeführt, und bevor ich die Augen aufmache, erklärt er mir nochmal die Regeln: “Ganz einfach. Es gibt nur eine Regel: du musst so schnell wie möglich zum Ziel, und selbst wenn du nicht so weit kommst, je weiter du kommst, desto besser.” Ein Rennen also. “Ein Marathon?”, frage ich. “Naja, so ähnlich, du hast halt nur 90 Minuten Zeit, dann wird abgebrochen. Hast du geübt?”

“Natürlich habe ich geübt!” antwortete ich stolz, dabei hatte ich nur vor einer Woche angefangen, joggen zu gehen.

“Noch eine Regel: sobald du die Augen aufmachst, kannst du mich nichts mehr fragen. Hast du also noch eine Frage?” Ich überlege scharf, aber eigentlich ist alles vorbereitet: ich habe meine Turnschuhe an, eine Käppi, falls die Sonne scheint, und einen Regenumhang, falls es anfängt zu schütten … “Ach ja … wie ist das Wetter gerade, ich meine, ich seh ja nix …” – “Das Wetter ist perfekt.” – “Gut, danke. Dann kann es losgehen.”

“Oke … Auf die Plätze, fertig … los!” Ich nehme die Augenbinde ab, und als meine Augen sich an die Helligkeit gewöhnen, komme ich nicht mehr aus dem Staunen heraus. Ich dachte, es wäre eine Bahn vorbereitet worden, Absperrungen und so … ich meine, immerhin ist das Fernsehen da! … nichts. Um mich nur grüne Wiese, dort ein Wald, hier ein See, und am Himmel Wolken, die Regen versprechen.

“Wohin soll ich denn laufen?” Er antwortete nicht, sondern ging zurück zu seinem Auto. “Bis später!”, rief er lächelnd.

(Hier geht es nicht um meine Identitätsfindung, sondern nur um eine Klausur … )

Der Kommt-Drauf-An-Sager

Ja sagen ist einfach, wenn man vergessen hat, was Nein sagen bedeutet.

Schwieriger haben es die, die immer beide Seiten der Medaille sehen wollen; aber nur ihnen fällt auf, dass die Münze auch eine Kante hat, auf der sie stehen bleiben könnte.

J’aime pas ta notion de presque …

… er meinte, dass er sich von meiner Genauigkeit, die fast richtige Lösungen nicht stehen lässt, etwas genervt fühlt. Aber wie gesagt, das hat auch Vorteile.

Die Prinzessin und das Krokodil

Die edle Prinzessin Adelheid schritt dem Strand entlang und dachte an ihren Geliebten, den Prinz. Doch was ist da: zwei Krokodilsaugen luren aus dem Schilf. Sie entdeckten ihr neues Opfer und Mr. Crocodile verliebte sich unsterblich ins sie.

Als Mamsell um die Ecke kam, dachte er, jetzt sei der Moment gekomen, sich zu zeigen – natürlich von seiner besten Seite, um der Prinzession schöne Augen zu machen. Also legte er seinen langen Schwanz dezent vor sie auf den Weg.

Das Unglück ließ nicht lange auf sich warten: Mademoiselle la Princesse stolperte über selbigem, und als sie erblickte, was sie zum Stolpern brachte, wurde sie sandbleich.

“Erschrecken Sie nicht”, sagte das Krokodil, und sein Mund sabberte. “Ich bin ihr neuer Beschützer und würde sie gerne heiraten.” Die Prinzessin fand keine Worte. “Ich gebe ja zu, meine Apparence ist ein wenig … sagen wir … gewöhnungsbedürftig, aber tief innen drin bin ich ein guter Kerl.” Die Prinzessin antwortete stotternd: “Sie wollen also sagen, dass …” – “Ja, genau.” Plötzlich entdeckte Croco in den Augen der Prinzessin eine Entschlossenheit, die ihm Angst machte, und tatsächlich: beherzt und geschwind hob sie ihre Handtasche auf, holte damit aus und pfefferte sie dem Krokodil an die Stirn, dem Krokodil blieb vor Schreck das Herz stehen und starb.

Kaufen Sie Handtaschen von Matura, die einzigen aus echter Krokodilhaut.

Ein Lebenszeichen

Als ich meine Texte durchwälzte, fand ich etwas mitten in einer (ziemlich verrückten) Geschichte, einem Traum:

Scrollend durch meinen Blog versuche ich den Anfang der Geschichte zu finden, doch es gibt keinen: ich habe nur Auszüge von ihr erzählt. Die Umstehenden fangen an zu lesen, doch die Hälfte ist rausgegangen, weil ihnen der Computer zu lange brauchte.

Und genau das ist wahr: es sind Auszüge meiner Geschichte. Was habe ich schon erzählt? Nicht viel. Nicht vieles. Und doch, einige Fragmente meines Lebens sind hier abgebildet. Habe ich erzählt, was ich erreicht habe? Das nicht. Ich habe erzählt, was mein Herz berührt, verändert hat. Ich habe erzählt, was ich liebte. Ich habe erzählt, wo ich Funken von Wahrheit erspäht habe und begeistert stehen blieb.

Warum schreibe ich nicht mehr? Ich schreibe noch. Warum veröffentliche ich nicht mehr? Ich hasse es, unter Druck zu stehen. Ich schreibe immer zuallerst für mich, und dann, wenn ich denke, das könnte auch für andere gut sein, veröffentliche ich.

Ich lebe noch. Ich liebe noch. Und warum ich nicht mehr so oft Geschichten schreibe: ich kann es nicht erklären, aber ich muss es auch nicht. Nach einem strebe ich: mein Herz sperrangelweit offen zu halten für Wahrheit, die anders ist. Für Hoffnung, die die Welt in Farben tunkt. Für Liebe, die erfrischt. Und für Gott, der mein Leben erneuert, Tag für Tag.

Vielleicht wird in einem halben Jahr wieder eine Zeit kommen, in der ich aktiver blogge; im Moment nicht. Seid herzlich gegrüßt, all die Freunde und Unbekannten!

Les Misérables: Ein Buch für ganz normale Weltveränderer

Les Misérables (Die Elenden) zu lesen, ist eine Reise in ein fernes, unbekanntes Land: wer kennt Paris von 1800-1835, und vor allem, wer kennt die Geschichte des unpriviligierten Volkes? Victor Hugo entführte mich in eine Welt von Dieben, Bischhöfen, Bettlern, Obdachlosen, Polizisten – die ganz normale Welt. Und weil sie so normal ist, geschieht auch Außergewöhnliches: ein Galerensklave wird Bürgermeister, ein für seine Gesetzestreue bekannter Polizist lässt Gnade walten, eine verzweifelte Frau gibt ihr Kind ab, um arbeiten gehen zu können, ein junger Student träumt von der Republik.

Und inmitten dieser (Un)Möglichkeiten ist Gott: obwohl nur selten erwähnt, spürt man, dass Er Herzen verändert, Schicksale lenkt, Befreiung anbietet. Der Erzähler erzählt nicht nur; er philosophiert und beschreibt, er psychologisiert, zieht Lehren und vor allem: stellt den Leser vor Rätsel und Entscheidungen. Denn die Frage zwängt sich auf: was ist gut? welches Leben ist lebens-wert? wie hätte ich reagiert, diesen Konflikt gelöst?

Ein Buch für Menschen, die mitten im normalen Leben die Welt verändern wollen. Ihr seid Helden.

Die Geduld des Bräutigams

Ich kann mich noch erinnern, an einem Tag, ich war in einer Kirche, viele Gäste um mich – war es meine Hochzeit? war es meine Verlobung? – Ich saß da, im Gang, und wartete, ich wartete auf meine Braut. Ständig kommt sie zu mir, schaut mich an, huscht wieder in die Küche, redet mit den Leuten im Gang, kommt wieder zu mir, zwei Sekunden später verschwindet sie aufs Klo … Wie schön ihr Kleid war!

Wieder einmal stellte sie sich vor mich, und ich zog sie auf meinen Schoß. Doch schon bald stand sie wieder auf, wie ein Kreisel, der nicht zur Ruhe kommen will.

Es war wieder ein wenig später, und sie trat vor mich und sagte: “Ich liebe dich nicht mehr.” Und es verwirrte mich nicht, sondern ich antwortete: “Selbst wenn es so wäre, müssten wir lernen, uns zu lieben.” Doch sie reagierte verzweifelt: “Ich glaube nicht, dass es ein weiter gibt!”

So stand ich auf, ging in den Raum nebenan, ich wollte ein Teelicht wieder anzünden und leerte es dabei aus … Ich ging zu ihr hin und sagte: “Ich gebe dir eine beliebig lange Zeit, es dir zu überlegen. Ruf mich dann an wenn du soweit bist.” (Und wie gerne hätte ich hinzugefügt: “Aber bitte, bitte, bitte! entscheide dich für mich …”) Und ich ging zur U-Bahn, und noch immer spürte ich diese Sehnsucht nach ihr …

Als ich am Bahnsteig stand und wartete, legten sich plötzlich zwei Hände auf meine Augen, und nicht nur an der Zierlichkeit ihrer Hände, sondern auch in meinem Geist spürte ich: das ist sie!

Seitdem weiß ich, dass es sich lohnt, zu warten.

Du bist schön

“Du bist schön.” sage ich und setze mich hinter sie. “Du bist schön und keiner erkennt das an. Das ist ungerecht.” Sie hält inne und betrachtet sich im Spiegel. “Wie meinst du das?”

“Ich meine”, versuche ich mich zu verteidigen, denn ich ahne, dass ich gerade etwas Dummes gesagt habe, “ich meine, es gibt so viele Models, die von allen für ihre Schönheit bewundert werden, und du …” Maria fährt fort, sich zu kämmen. “Meine Haare glänzen nur für dich.” sagt sie bedächtig. Mein Blick wird starr. “Wie habe ich das verdie…” Sie unterbricht mich. “Natürlich hast du es nicht verdient, was verdient man sich heutzutage noch. Aber …” – “Ja?”

Sie holt Luft und sagt leise: “Aber ich liebe dich.” Die Sonne kommt hinter den Wolken hervor und strahlt plötzlich durch das Fenster. Tatsächlich, ihr Haar glänzt. “Ich liebe dich auch.” antworte ich.

Sie dreht sich um und schaut mir in die Augen. “Jedenfalls, Matthias, bist du auch schön.” und fügt schnell hinzu, als sie die Runzeln in meiner Stirn sieht, “In meinen Augen.”

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“Es gibt Liebe, die liebt, weil sie etwas Wertvolles sieht – und es gibt Liebe, die wertvoll macht, was sie liebt.”

(John Ortberg, “Die Liebe nach der du dich sehnst.”)

Es ist fertig

Es ist fertig, die Examen, der Unterricht! Hey, es ist fertig, die Jungs!

Das ist Isfatessien, ein undefinierbares mélange zwischen Französisch und Deutsch. In diesem Fall wollte ein Franzose sagen: “C’est fini les examens, les cours! Hé, c’est fini les gars!” Auf Benjamin-Deutsch heißt das:

Er überquerte die Ziellinie. Die Zeit wurde noch nicht bekannt gegeben, aber nicht das ist das Wichtigste. Was zählt, ist … Da, sein Trainer kommt auf ihn zu, erschöpft lässt er sich in seine Arme fallen. “Du hast alles gegeben, mein Junge. Bravo.” Und er nickt, außer Atem, und Schwäche überfällt seinen Körper. Glück überfällt seine Seele: er ist hier, im Stadium, rannte die 10 000m, auf die er sich schon Monate vorbereitete. Er hat es geschafft.

Und in Klartext heißt das:

Meine Semesterferien haben begonnen. (Aber das habe ich noch nicht realisiert.)

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